"Ich schreie die Leute nicht zusammen"
9. März 2023. Am E.T.A. Hoffmann-Theater Bamberg regt sich Widerstand gegen die Vertragsverlängerung von Intendantin Sibylle Broll-Pape, berichtet der Fränkische Tag.
Das Haus, das überregional Akzente setzen konnte und zuletzt den Preis der Deutschen Theaterverlage für seinen Einsatz für Gegenwartsdramatik erhielt, steht intern in der Kritik. Von geschönte Auslastungszahlen berichtet das Blatt (€) unter Berufung auf den Offenen Brief eines Mitarbeiters ebenso wie von Problemen in der Personalführung, die sich auch in der Fluktuation von 14 bis 19 Menschen pro Jahr (bei einer Belegschaft von rund 80 Mitarbeiter:innen) niederschlügen.
Im Gespräch mit der Zeitung weist Sibylle Broll-Pape die Vorwürfe zurück. Bei hoher Arbeitsbelastung sei der Ton mitunter rauer. "Aber ich schreie die Leute nicht zusammen. Das ist nicht meine Art." Auch die Zuschauerstatistiken seien nicht frisiert.
"Im Endeffekt präsentieren Kritiker viele Zahlen, das Theater andere", konstatiert die Zeitung. Eine detaillierte Überprüfung sei schwierig. Mangelhaftes Controlling werde auch in dem Offenen Brief moniert, da die Intendantin zugleich Amtsleiterin sei. Hierauf erwidert Broll-Pape, dass die Zahlen vom Verwaltungsleiter geprüft würden und auch der städtischen Kämmerei in vierteljährlichen Rechenschaftsberichten vorlägen.
Mehrere Ensemblemitglieder hätten sich vom dem Offenen Brief distanziert; ein Schauspieler bestätigte dem Fränkischen Tag: "Die Stimmung im Theater ist lebendig, offen, kreativ und oft auch familiär. Das Vertrauensverhältnis gegenüber der Theaterleitung ist groß."
Sibylle Broll-Pape habe für ihren derzeit bis 2025 laufenden Intendantinnenvertrag um eine Verlängerung um lediglich zwei Jahre gebeten (statt der üblichen fünf). Ab 2027 solle die Stelle neu besetzt werden. Über die Verlängerung befindet der Bamberger Stadtrat. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar gelten laut Fränkischer Tag als "Fürsprecher" der Intendantin.
(Fränkischer Tag / chr)
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